19.12.2019

Zu viel des Guten: Setzen Sie Grenzen bei der Transparenz

Wir werden ab jetzt alles anders machen – der Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens mit ca. 80 Mitarbeitern wollte sich damit klar von seinem Vorgänger unterscheiden. Und das in einem ganz entscheidenden Aspekt: dem Umgang mit Transparenz.

Zu viel des Guten: Setzen Sie Grenzen bei der Transparenz

Er wollte nicht wie der ehemalige Geschäftsführer selbstherrlich und im diktatorischen Stil über alle Entscheidungen verfügen, sondern hatte sich auf die Fahne geschrieben mit allen Themen transparent umzugehen. Anfangs rief dies bei den Mitarbeitern nur positive Reaktionen hervor.

Wie viel Transparenz ist verträglich?

Die Maxime alles im Unternehmen transparent zu handhaben, wurde allerdings so weit übertrieben, dass der neue Geschäftsführer wirklich alles transparent machte. Hatte er an einer Fortbildung teilgenommen oder im Coaching neue Erkenntnisse gewonnen und daraus Ideen für Veränderungen generiert, teilte er seine Überlegungen sogleich mit der gesamten Belegschaft. Das führte zu erheblichen Unsicherheiten im Unternehmen und letztendlich entstanden daraus Konflikte. Unweigerlich stellt sich die Frage: Wie viel Transparenz kann ein Unternehmen vertragen, den Mitarbeitern zugemutet werden und an welcher Stelle führt das zu Unsicherheit? Die Absicht, in der die Themen transparent dargestellt werden, wird von Mitarbeitern teilweise völlig falsch verstanden. Einige verstehen die Ideen tatsächlich als Ideen, andere wiederum als das nächste Änderungsvorhaben. Es wird Mitarbeiter geben, die vorrausschauend schon alles mögliche in die Wege leiten und andere, die diese Demokratiebewegung boykottieren. Und es wird Mitarbeitende geben, die sich durch die vollkommene Transparenz nicht nur informiert, sondern auch in die Verantwortung genommen fühlen.

Manchmal ist weniger mehr

Themen transparent zu behandeln ist gerade in der heutigen, agilen Arbeitswelt grundlegend eine gute Sache – es schafft Vertrauen und fördert eine gute Unternehmenskommunikation. Geht die Transparenz aber damit einher, dass Verantwortung an Personen abgegeben wird, die nicht in der Lage sind, diese auch zu tragen, wird es kritisch. Wird etwas zu früh kommuniziert, werden Mitarbeiter unnötig verunsichert, z. B. wenn der Geschäftsführer grundsätzlich viele Ideen hat und nur wenige umsetzt. Was kann und muss die Belegschaft ernst nehmen und was nicht? Um dem vorzubeugen, sollten Sie als Führungskraft Grenzen in der Transparenz festlegen. Wie immer gilt: Das richtige Maß ist entscheidend für den Erfolg.

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