17.03.2021

Ideen statt Verbote – warum Motivation mehr bringt als Reglementierung

Es ist Montagmorgen. Ich erwarte zwei Damen zum Teamcoaching. Seit zwei Jahren begleite ich die erfahrenen Beraterinnen mit langjähriger Praxiserfahrung und ich weiß, die beiden sind absolute Profis auf ihrem Gebiet: taff, humorvoll, intelligent und resilient. Doch auch von solch starken Persönlichkeiten forderte die anhaltend unsichere Zeit ihren Tribut, wie sich in diesem Coaching zeigte…

Ideen statt Verbote – warum Motivation mehr bringt als Reglementierung
Shutterstock.com | Lightspring

Es ging heiß her und einer der beiden Coaching-Teilnehmerinnen platzte der Kragen. Trotz ihrer hohen Resilienz war sie von den Umgangsformen und der Kommunikation der Geschäftsführung genervt und musste sich eingestehen: „Ich bin im Lauf des letzten Jahres so dünnhäutig geworden.“ Mit diesem Gefühl ist sie bei weitem nicht allein – seit Anfang des Jahres stelle ich in meinen Coachings zunehmend fest, dass auch resiliente Menschen am Ende ihrer Kräfte angelangt sind. Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Dietrich Munz, sagte bereits zu Beginn der zweiten Lockdownphase, dass diese erneut zu mehr psychischen Krisen, depressiven Erkrankungen und Angststörungen führen wird. Und leider hat sich das bestätigt – nach einem Jahr im Lockdown, mit Regeln, Verboten und kaum sozialen Kontakten ist bei vielen das Limit erreicht.
 

Nur noch Verbote und Reglementierungen?

Im Radio hörte ich neulich eine interessante Sendung zum Thema Covid-19 und ein Apell ist mir besonders im Gedächtnis geblieben und hat mich zum Nachdenken angeregt „Kann denn auch mal eine Idee kommen, statt nur Verbote?“ Meines Erachtens sind Kommunikation und Ideendenken zwei wichtige Themen, die mit den Aufgaben einer Führungskraft einhergehen und auch uns alle betreffen.

Seit der Corona-Pandemie achten wir wieder bewusster auf unser Umfeld. Wir schauen wahrscheinlich mehr nach der betagten Nachbarin und bieten Hilfe an, wir unterstützen die alleinerziehende Kollegin im Homeoffice, die Kind und Arbeit unter einen Hut bekommen muss usw. Je nachdem was in unserem Umfeld gerade passiert, passen wir die Kommunikation entsprechend an. Das sollte auch jede Person in leitender Funktion beherrschen. Wenn ich ein Thema, eine Aufgabe, ein Ziel, eine Veränderung oder andere Aspekte kommunizieren möchte, dann sollte ich gerade als Führungsperson dies so geschickt anstellen, dass mein Gesprächspartner zum einen versteht, was ich von ihm erwarte und zum anderen Lust bekommt dies auch umzusetzen und motiviert ist, es anzupacken. Alles andere wird zu keinem positiven Ergebnis führen.
 

Motivation und keine Angst vorm Scheitern

Im Business-Coaching wird Ihnen jeder Coach mehr oder weniger häufig sagen, dass es Ihre Aufgabe als Führungskraft ist, in Möglichkeiten zu denken, statt in den das-geht-nicht-Modus zu schalten. Ein passender Vergleich hierzu ist die Metapher des Kamels, das durchs Nadelöhr geht, damit die Karawane folgen kann. Wenn Sie mit einer Idee vorangehen, können andere folgen. Wird hingegen nur begrenzt gedacht, demotiviert das die Mitarbeiter und das Umfeld auf Dauer. Die Menschen werden unzufrieden, wenn Sie anstatt Ideen und Lösungen nur Verbote und Regularien aufgedrückt bekommen. Natürlich ist nicht jede Idee ein Treffer und es kann durchaus auch mal schiefgehen, aber ich halte es hier mit dem Ansatz aus dem klassischen, systemischen Coaching: Machen Sie mehr von dem, was funktioniert und unterlassen Sie das, was nicht gut läuft. Vor allem: Malen Sie letzteres nicht schön, nur weil die Angst vorm Scheitern Sie mit angezogener Handbremse agieren lässt. Ob eine Idee wirklich funktioniert, weiß man schließlich erst, wenn sie getestet wurde.
 

Die perfekte Strategie?

Die eine perfekte Strategie, Lösung oder Idee habe ich, genau wie viele andere, nicht. Jedoch haben wir fast alle das Bedürfnis mitzudenken und zu agieren. Das heißt auch Fehler machen zu dürfen, denn wir alle haben aus unseren Fehlern gelernt – es heißt nicht umsonst: Versuch macht klug. Verbote und Demotivation bringen hingegen nur gestresste Menschen hervor und sind keine Lösung für unsere Zukunft, für eine gute Zusammenarbeit und ein konfliktfreies Miteinander. Es sind vielmehr Vorgehensweisen, die im beruflichen Kontext den Misserfolg vorprogrammieren. Also probieren Sie aus, motivieren Sie Ihre Mitarbeiter und Ihr Umfeld neue Ideen einzubringen und haben Sie keine Angst vor Fehlern.

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