15.06.2023

Führungskräfte im Konflikt: Manchmal sind getrennte Wege besser ...

Konflikte sind ein unausweichlicher Teil im Leben – umso besser, wenn diese mithilfe einer Konfliktmoderation aufgelöst werden können. Zu Beginn werden dazu mit allen Beteiligten die üblichen Modalitäten, Regeln, Ziele usw. besprochen. Doch was passiert, wenn der Konflikt in eine Sackgasse führt? Wenn trotz aller Bemühungen keine Lösung in Sicht ist? Wenn Konfliktvermittlungen nicht wirksam sind? Gibt es einen Weg aus dieser scheinbar ausweglosen Situation?

Führungskräfte im Konflikt: Manchmal sind getrennte Wege besser ...
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Als Konfliktmoderatorin werde ich oft gefragt, was in solchen Fällen zu tun ist. Die Wahrheit ist, dass es Konflikte gibt, die nicht gelöst werden können. In solchen Situationen ist es jedoch möglich, den Konflikt zu separieren und einen anderen Weg einzuschlagen. Dieser Ansatz funktioniert allerdings nur, wenn alle Beteiligten bereit sind, den Konflikt loszulassen und nach einer neuen Form der Zusammenarbeit zu suchen.

Zusammenarbeit trotz ungelöster Konflikte

Die Idee hinter diesem Ansatz ist es, den Fokus von der Schuldzuweisung und dem Konflikt abzuwenden und stattdessen nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Zusammenarbeit trotz des ungelösten Konflikts gestaltet werden kann. Es geht darum, den Konflikt nicht als Hindernis zu betrachten, sondern als Chance, eine neue Dynamik zu entwickeln. Natürlich können die Erfahrungen aus dem Konflikt in die Verhandlungen einfließen, aber es ist wichtig, sich nicht von der Vergangenheit belasten zu lassen.

Ein anschauliches Beispiel dafür ist eine Konfliktmoderation, die sich aus einem Teamcoachings heraus entwickelte. Während des Coachings wurde ein bisher unbenannter Konflikt zwischen zwei Beratern offenbart, der das gesamte Teamcoaching zu sprengen drohte. Erfreulicherweise entschieden sich alle anderen Teammitglieder dafür, dass die Behandlung des Konflikts zu einem anderen Zeitpunkt nur mit den beteiligten Personen moderiert und geklärt werden sollte.

Das Teamcoaching verlief erfolgreich, da der Konflikt nun offen auf dem Tisch lag und das gesamte Team nicht mehr hineingezogen wurde, denn nicht jeder möchte eine Allianz eingehen und an einem Konflikt beteiligt sein. Obwohl der Konflikt nicht vollständig gelöst werden konnte, da eine der Parteien hartnäckig an ihrer Position festhielt, verhandelten die beiden Beteiligten über den zukünftigen Umgang miteinander. Es wurde vereinbart, dass das Team unparteiisch bleibt, so wie es sich während des Teamcoachings positioniert hatte.

Der Sturm nach der Ruhe

Diese Lösung funktionierte eine Weile gut, da sich die Projekte so entwickelten, dass die beiden Berater wenig miteinander zu tun hatten. Doch nach etwa zwei Jahren wurde eine leitende Position im Team ausgeschrieben, auf die sich beide Parteien bewarben. Letztendlich erhielt die Partei, die nicht die verhärtete Position im Konflikt hatte, den Job. Alles schien gut zu laufen, bis die Zusammenarbeit plötzlich enger werden sollte und die andere Partei den Vorgesetzten vor der gesamten Hauptabteilung verunglimpfte.

Dieser Vorfall machte deutlich, dass die Verhandlung von vor zwei Jahren auf wackeligen Beinen stand. Es wurde offensichtlich, dass Lippenbekenntnisse in der Konfliktmoderation langfristig keinen Sinn ergeben. Man kann nur erahnen, wie schwer es für die betroffene Partei gewesen sein muss, über Jahre hinweg in einer so belasteten Situation zu arbeiten.

Die Kunst, getrennte Wege zu gehen

In solchen Momenten stellt sich die Frage, ob es nicht besser ist, einen anderen Weg zu gehen und sich zu trennen. Die Entscheidung, getrennte Wege einzuschlagen, kann eine befreiende Wirkung haben. Es ermöglicht den Beteiligten, sich von dem belastenden Konflikt zu lösen und sich auf ihre eigenen Wege und Ziele zu konzentrieren.

Es ist wichtig anzuerkennen, dass nicht jeder Konflikt lösbar ist. Manchmal gibt es tief verwurzelte Differenzen oder unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten, die eine Zusammenarbeit unmöglich machen. In solchen Fällen kann es die beste Entscheidung sein, sich zu trennen und neue Wege einzuschlagen.

Haben auch Sie in Ihrem Unternehmen bereits unlösbare Konflikte erlebt, die in einer Trennung endeten? Wenn Sie Lust auf einen Austausch zum Thema haben, dann melden Sie sich gerne hier oder via LinkedIn.

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