06.09.2017

Wie gehe ich unbelastet in eine neue Situation?

Vor einigen Wochen hatte ich wieder einmal eine Trainerstunde bei meinem Pro.

Wie immer, wenn ich zu ihm in einen neuen Termin komme, fragte er mich, wie es läuft, wie zufrieden ich bin, welche Fortschritte ich aus meiner Sicht gemacht habe und so weiter und so fort. So weit so gut. Dann berichtete ich, dass ich im Golfspiel in der immer sehr ähnlichen Situation den Schläger öffne und ich dann den letzten Schlag nicht aufs Grün setze, sondern ins Wasser, in den Bunker oder ins Aus. Daraufhin fragte mich der Pro: „Wenn Du weißt, was Du nicht machen solltest, warum lässt Du es dann nicht einfach bleiben?“

Das sind die Fragen, die ich – Sie ahnen es – liebe.

Altlasten ausblenden
Während ich meinen aufwallenden Unmut im Zaum hielt, kam die Erläuterung: „Ulla, jeder Schlag, jeder Ball, jedes Loch, jedes Spiel hat die gleiche Aufmerksamkeit verdient. Ist der erste Schlag danebengegangen ... so what, der Schlag ist erledigt, du kannst ihn nicht wiederholen. Fokussiere dich auf den nächsten Schlag und gibt jedem Schlag die gleiche neue Aufmerksamkeit. Auf schwierige Kontakte übertragen bedeutet das, begegne jedem Menschen, als wäre es eine neue Situation. Vergangene Situationen kannst du nicht ändern, sie sind passiert und sie sind Vergangenheit. Gebe jedem neuen Kontakt die gleiche Chance und gehe mit der Aufmerksamkeit hinein, die ein neuer Kontakt verdient hat, ohne Altlasten aus anderen Begegnungen.“

Natürlich!

Emotionale Vorbelastung schränkt ein
Das bedeutet nicht, dass ich mich jedes Mal aufs gleiche Glatteis führen lasse, nein, ich darf durchaus aus Erfahrungen lernen. Ich helfe mir jedoch nicht weiter, wenn ich emotional vorbelastet in schwierige Situationen gehe. Das könnte auch bedeuten, dass ich emotional stabiler, sachlicher und in der Folge zielführender als zuvor unterwegs bin.

Kommen wir zurück auf meinen Pro. Er ist für mich der exzellente Pro und weil ich weiß, er hat Recht, mache ich das, was er mir als nächste Lernaufgabe gibt. Ich gebe also jedem Ball, jedem Schlag – sofern ich daran denke – die gleiche Aufmerksamkeit. Wenn ich das tue, ist mein Spiel erkennbar besser.

Bequemlichkeit kann hindern
Was hält mich dann davon ab, es immer zu tun? Im Grunde genommen ist das nur eins: meine Bequemlichkeit. Und so rutsche ich immer wieder in das gleiche alte Muster zurück. Bedeutet, Training macht die Meisterin und ich übe genau das immer wieder. Jeder Ball, jeder Schlag, jede Situation ist eine neue Situation, ein neuer Ball, ein neuer Schlag.

Geben Sie jeder neuen Situation eine neue Chance
In einem meiner letzten Konflikt-Coachings mit einer Kundin ging es um genau die Fragestellung, wie sie jede Situation, die sie mit einer anderen Person hat, als neue Situation nehmen kann. Das heißt: Wie gelingt es ihr, jeden Kontakt so aufzunehmen, als wäre es ein neuer und vor allem ein unbelasteter Kontakt? Dass sie in jeden Termin, in jedes Telefonat, in jede Konferenz etc., so hineingehen kann, als wäre es ein völlig unbelastetes Zusammenkommen. Genau so, wie oben beschrieben. So gibt sie allem eine neue Chance.

Es war mühevoll, es ist mühevoll und je öfter sie es trainiert, desto öfter kommt die Rückmeldung, dass es gar nicht mehr so schlimm ist. Ja, natürlich nicht, es fehlen ja auch Tonnen an Bedenken und an nachteiligen Bewertungen, die eine ganz normale Begegnung x-mal schwerer machen können. Ich gehe jetzt mal ins Training. Sie auch?

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