06.10.2016

Was hilft die Schuldfrage in einem Konflikt wirklich?

Was hält uns davon ab, uns mit einem bestehenden oder auch einem entstehenden Konflikt zu beschäftigen?

Auf diese Frage gibt es sicher sehr viele unterschiedliche Antworten. Eine davon ist:

Die Schuldfrage

Wenn DER nicht angefangen hätte, wäre es nicht passiert!
Wenn DIE ihre Arbeit ordentlich gemacht hätte, wäre das Projekt nicht an die Wand gefahren ...
DER hat – DIE hat – auf jeden Fall hat immer jemand anders Schuld.
Schuld sind die Anderen, wären DIE nicht, wäre alles ganz anders ...

Wer’s glaubt, wird selig.

Wofür, bitteschön, ist es wichtig, eine andere Person oder Gruppe/Teams zum Schuldigen zu küren? Was haben wir denn davon?

Nichts. Tatsächlich rein gar nichts.

Es ändert nichts daran, dass „die Sache“, „das Projekt“ schief gelaufen ist, „der Auftrag“ bei er Konkurrenz gelandet ist, „die Stimmung schlecht ist“ oder ähnliches. Es ist ja noch nicht einmal so, dass wir selber dadurch unschuldiger oder besser werden. Nein, es trägt maximal dazu bei, dass eine andere Person sich schlecht fühlt, sich angegriffen fühlt, in die Blockade geht, der Streit angeheizt wird – eine Aufzählung, wer was wann wie und mit wem immer schon falsch gemacht hat.

Schlimmer noch: Das Thema, welches die „Schuldzuweiser“ von sich wegweisen möchten, bleibt ihnen durch das eigene Handeln erhalten. Es nährt einen Konflikt, der unter Umständen erst durch die Schuldzuweisung entsteht. Ein Bumerang sozusagen. Mal abgesehen davon, prüfen Sie bitte Ihre eigenen Erinnerungen und Erfahrungen, ob die Leute, die als Erste auf andere zeigten, wirklich die „Unschuldigen“ waren.

Achten Sie einfach mal darauf, wann eine andere Person Ihnen die Schuld in die Schuhe schieben möchte oder Sie es vielleicht selbst machen – auch, wenn es nur in Gedanken ist. Hilft es? Nein, es hilft nicht, maximal oberflächlich. In der Sache und der Problemlösung keinesfalls.

Was also tun, wenn es soweit ist, dass jemand die Schuldfrage, bzw. die Schuldzuweisung in den Raum stellt? Fragen Sie sich selbst, worum geht es? Was ist Ihnen in dieser schwierigen Situation wichtig?

Ja, natürlich gilt es nach dem „an die Wand Fahren des Projektes“ und was auch immer die Folge eines Konflikts war, herauszufinden, woran es gelegen hat und daran zu arbeiten, dass in Zukunft anders agiert wird.

Das kann jeder nachvollziehen. Und das kritische Feedback, das dann vermutlich angezeigt ist, kann auf der Sachebene mit einer klaren Erwartungshaltung auf die Zukunft gerichtet, geäußert werden. So bleibt Motivation und Mut am Arbeitsplatz erhalten.

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