20.02.2018

Sprechenden Menschen kann geholfen werden

Es ist wahrlich keine Neuigkeit, dass sprechenden Menschen geholfen werden kann. An manchen Tagen habe ich den Eindruck, dass das Denken/über etwas Nachdenken immer noch dem Sprechen/über etwas Sprechen gleichgesetzt wird.

Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzte - sie alle sind der Annahme, dass der andere genau weiß, was hinter ihrem Fachgebiet und den damit verbundenen Tätigkeiten steckt. Ein oft gebrauchter Satz in diesem Zusammenhang ist: "Aber die wissen doch, was ich mache und ich sage doch auch immer, was ...!" Und wundern sich, dass es nicht so ist, wie sie es sich vorstellen.

Aber der weiß doch, dass ...
Ein Beispiel: Drei Mitarbeiter aus einem Team sind verantwortlich für die Funktionalität der Software, Updates, Ergänzungspakete etc. Jedes Mal, wenn ein Update fällig ist, müssen bestimmte Abläufe stattfinden, geprüft werden, Protokolle erstellt werden, neu geprüft werden und so weiter, was in Summe unter Umständen Stunden dauern kann - je nachdem, wie fehlerfrei das Ganze läuft. Wenn der letzte fehlerfreie Durchlauf protokolliert und damit festgehalten ist, kann das System wieder von allen Mitarbeitern der Abteilung genutzt werden. Manchmal führt dieser Ablauf dazu, dass sich Kollegen anderen Aufgaben widmen müssen und Vorgänge nicht abschließen können.

Da nur wenige wissen, bzw. sich vorstellen können, wie genau der Ablauf eines solchen Updates ist und welcher Aufwand dahintersteckt, wird häufig über die Dauer gemeckert. Nicht selten gibt es ein oder zwei Kollegen, die in einen offenen Konflikt mit den Mitarbeitern treten und nur aufgrund von Nichtwissen über Monate oder Jahre hinweg in einen Dauerkonflikt rutschen. Also gibt es auf der einen Seite Menschen, die nicht wissen, was sich alles hinter der Tätigkeit des Kollegen verbirgt und auf der anderen Seite die Kollegen, die davon ausgehen, die anderen wissen es sicher. Schließlich war es einerseits immer so und andererseits sind sie der festen Überzeugung, alle anderen wüssten was sie wissen und denken.

Gedacht ist nicht gesagt
Zudem gehen viele Menschen davon aus, Dinge angesprochen zu haben, was jedoch nicht passiert ist. In dem Moment DENKE ich an Konrad Lorenz und zitiere ihn

»gedacht« ist nicht gesagt …
»gesagt« ist nicht gehört …
»gehört« ist nicht verstanden …
»verstanden« ist nicht gewollt …
»gewollt« ist nicht gekonnt …
»gekonnt und gewollt« ist nicht getan …
»getan« ist nicht beibehalten … 

Wie oft denken wir, dass die anderen wissen müssen, was wir meinen? Wieso - bitte sehr - geht der Mensch davon aus, dass alle das gleiche denken, wissen, meinen sollen? Und wäre das nicht furchtbar langweilig?

Nehme ich Konrad Lorenz ernst, bedeutet es: Diesen Menschen kann geholfen werden. Zum einen, weil sie durch einfach drüber reden andere Menschen mit ins Boot holen. Zum anderen, weil Fragen Informationslücken füllen. Bedeutet das, dass Erläuterungen und Fragen konfliktvermeidend sein können?

Ja, das bedeutet es!

Und so ging's in meinem Beispiel weiter:
Nachdem Konrad Lorenz begriffen wurde - d. h. die drei IT-Verantwortlichen ihren Kollegen die Vorgänge verständlich und transparent dargelegt hatten und damit alle anderen Kollegen ebenfalls informiert wurden - veränderte sich das Klima sofort. Die Kollegen aus der Verwaltung fühlten sich informiert und nicht für dumm gehalten und den IT-Kollegen gingen wohl mehrere Lichter auf ...

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