11.10.2017

Manchmal bedarf es wenig, einen Konflikt zu verhindern

Vergangene Woche, kurz vor Beginn einer Veranstaltung, unterhielt ich mich mit einem der Teilnehmer an der Kaffeebar. In unserem Gespräch kamen wir auf eine bestimmte Berufsgruppe und unsere Erfahrungen mit dieser. Zu Ihrer Information: Meine Erfahrungen haben die Bandbreite von »absolut hervorragend« bis hin zu »geht gar nicht und ich bin – so richtig – stinkesauer«.

Hochgegangen wie ein HB-Männchen

So führte ich in unserer Unterhaltung beide Erfahrungen aus und mein Gesprächspartner bestätigte sie seinerseits und erkundigte sich nach meinem Vorgehen hinsichtlich der »geht-gar-nicht und ich bin stinkesauer«-Gruppe. Ich lamentierte noch ein wenig, wollte gerade meine professionelle Strategie im Umgang erläutern, als eine Kollegin des Teilnehmers zu uns stieß – sie hatte vielleicht einen halben Satz gehört – und sprichwörtlich eine HB-Männchen Reaktion an den Tag legte, die sich gezielt auf meinen Gesprächspartner und mich entlud.
In diesen Situationen frage ich mich sofort: Was passiert hier und worum geht es?

Wenn mir das gelingt – das heißt, ich nehme die Einladung zur wortgewaltigen Auseinandersetzung in diesem Moment nicht an – beobachte ich, was passiert. Wie reagiert mein Gesprächspartner, wie das sonstige Umfeld? Ich möchte beifügen, dass mittlerweile mehrere Personen zu Zuschauern wurden und es darüber hinaus weitere Wortmeldungen jeglicher Couleur gab.

Was ist Ihre typische Reaktion?

Was machen Sie in solchen Momenten? Wie ist Ihre typische Reaktion? Stellen Sie den »gefühlten« persönlichen Angriff auf Sie hintenan und versuchen Sie herauszufinden, woher die Reaktion kommt? Oder ignorieren Sie den verbalen Ausbruch und reden mit Ihrem Gesprächspartner weiter als wäre nichts geschehen oder gehen Sie vielleicht auch weg? Vielleicht schallt es aus Ihnen heraus, genauso wie es bei Ihnen angekommen ist? Vielleicht ist Ihre Reaktion von den jeweiligen Beteiligten, vom Umfeld (sind Sie unter sich, müssen Sie gefühlt Gesicht wahren ...), von der Tagesverfassung, etc. abhängig?

Was in unserer Situation passierte ...

Bei uns verlief das Ganze folgendermaßen: Als die Kollegin des Teilnehmers nicht aufhörte zu schimpfen, unterbrach ich sie und erkundigte mich, was sie denn so empörte. Es stellte sich heraus, dass ihr Mann dieser Berufsgruppe angehört und sie es nicht mehr erträgt, dass »er« als Marke »geht gar nicht« und »andere sind stinkesauer auf ihn« dargestellt wird. Das konnten wir grundsätzlich nachvollziehen. Darüber gelang es uns, das Gespräch zu Dritt in andere Bahnen zu lenken und konnten nach einem erweiterten Erfahrungsaustausch über wiederum andere (auch eigene) Berufsgruppen uns gegenseitig an die Nase fassen und herzlich lachen.

Manchmal bedarf es wenig zur Deeskalation
Um den Beginn eines nachhaltigen Konflikts zu verhindern, bzw. einer Eskalation entgegenzutreten bedarf es manchmal nur wenig. In diesem Fall war es das bildliche Ablehnen der Einladung auf einen verbal gewaltigen Schlagabtausch und das Herausfinden und Akzeptieren der dahinterliegenden Problematik.

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