22.09.2016

Konfliktthema Konflikte: ein Tabuthema wird zugänglich

Einen hohen Anteil meiner beruflichen Zeit verbringe ich mit Menschen, die mit Konflikten zu tun haben und diese am liebsten nicht hätten. Verständlicherweise, sagen Sie jetzt sicher: Menschen mögen einfach keine Konflikte.

Sie kennen das sicher: Sie spüren genau, dass etwas nicht stimmt. Alle tun so, als wäre nichts. Dann passiert scheinbar etwas Harmloses und es ist, als bräche ein Vulkan aus. Hinterher ist nichts besser – im Gegenteil – weil ja „nur“ der Ausbruch war und keiner an das eigentliche Thema herangeht. Was Sie dann jedoch betrifft, ist folgendes: Sie sind von diesem Wissen, obwohl Sie eigentlich nichts wissen, beeinträchtigt.


Im Berufsleben arbeitete ich vom 1. Tag an mit Menschen, die durch ihr Verhalten Konflikte hervorgerufen haben, deren Folgen schwerwiegend waren. Menschen, die gegen geltendes Recht verstoßen haben und so mit „dem Gesetz in Konflikt“ kamen. Vorsicht ... bedenken Sie, es gibt nicht nur die scheinbar schwierigen Sozialfälle. Nein, es gab und gibt hochgeachtete, beruflich sehr erfolgreiche Menschen, die ins Straucheln geraten. Bei ihnen wird es nur anders wahrgenommen. In den folgenden Jahren entwickelte sich mein Beratungsspektrum mehr und mehr in die Richtung konfliktbehaftete Situationen im Leben und am Arbeitsplatz beratend, unterstützend sowie lösungsorientiert zum Ziel zu führen. 2001 professionalisierte ich mich mit der Ausbildung zur Mediatorin.

Ich selbst lebe gerne ohne Konflikte und zwar in allen Bereichen. Im Laufe der Jahre habe ich jedoch gelernt, dass ein Leben ohne Konflikte kaum vorstellbar ist und dass ich sie um so schneller loswerde, je eher und damit perspektivenreicher ich sie betrachte. Frei nach Sokrates: „Vor Problemen weglaufen vergrößert nur die Entfernung zur Lösung.“

Wenn ich mit Menschen über Konflikte spreche, begegnet mir meist die Haltung:

  • Nein, danke.
  • Das sollen die unter sich ausmachen.
  • Können wir denn nicht bei der Sache bleiben?
  • Am liebsten hätte ich es sachlich und harmonisch.
  • Geht es nicht ohne?
  • Können wir die nicht vergessen?

Nein, wir können nicht ohne Konflikte und wir können sie auch nicht vergessen.
Sie sind allgegenwärtig und immer irgendwie da. Sie gehören zu uns.
Sie sind nicht wie Pest und Cholera und doch haben sie etwas von einer lästigen Krankheit. Bleiben sie unbehandelt, kann man sehr krank werden und schlimmstenfalls wird unser Umfeld so stark involviert, dass es unglücklich wird. Also macht es Sinn etwas zu unternehmen und zwar mit ihnen und nicht gegen sie.

Es macht scheinbar keinen oder nur einen kleinen Unterschied zum „etwas gegen“ sie unternehmen.
Aus meiner Sicht ist das ein relevanter und damit ein großer Unterschied. Es ist meine Haltung, meine Sicht auf Konflikte. Dieses macht am Ende aus einem anfangs scheinbar „keinen Unterschied“ am Ende einen „sehr großen Unterschied“. Übrigens auch, wenn ich die Konflikte ignoriere.

Beschäftige ich mich mit der Störung, dem Konflikt, bekommt das Thema, das zum Konflikt geführt hat, ein anderes Gewicht und ein anderes Gesicht – für mich.

Ich sehe in einem Konflikt nichts, was schrecklich, furchtbar und lästig ist.
Für mich zeigt ein Konflikt, dass es etwas gibt, das im vorhandenen System nicht gut, vielleicht auch gar nicht funktioniert und das gilt es zu ändern. Das kann die andere Seite der Medaille sein, wenn ich sie sehen möchte. Ein Konflikt macht mich auf etwas aufmerksam, was nicht störungsfrei läuft. Je früher ich mich damit beschäftige, desto näher ist die Lösung.

In den folgenden Blogs möchte ich Ihnen Ausschnitte aus meinem beruflichen Alltag schildern. Es werden berufliche Situationen sein, die Sie vielleicht an selber erlebte Situationen erinnern und Ihnen hoffentlich den ein oder anderen Anstoß im Umgang mit Konflikten geben können.

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