09.03.2018

Konflikt-Prävention durch Wissensteilung

Etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit habe ich mit Konflikten zu tun. Immer wieder frage ich mich: Wieso passiert das jetzt? Vor allem frage ich mich das, wenn engagierte, wissbegierige, fokussierte Menschen, die die Freude an dem, was sie tun, verbindet, "nur" durch ein Ereignis in den völligen Streit geraten. Bis schon fast nichts mehr zu retten scheint. Kennen Sie das auch?

Von heute auf morgen bricht ein scheinbar gut funktionierendes bisweilen freundschaftliches System auseinander. All das, was vorher als normal, gegeben und vertrauensvoll gelebt wurde, erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht. Es geht von strahlendem Sonnenschein in ein graues, fahles, von Staub getrübtes Dämmerlicht über. Man fragt sich, war es immer schon alles unecht? Indizien, Gerüchte, Hypothesen werden gehandelt, weiter getragen und es entsteht eine Situation, in der man eigentlich nur noch Fehler machen kann. Gut gemeint ist dann sowieso sch..., sorry schlecht. Der Blick ist düster. Das Glas ist halbleer und nicht mehr halbvoll. Diese Tatsache erschüttert mich manches Mal zutiefst.

Was kann man dagegen tun? 
Wie könnte man Konflikte schon "vor" Beginn an anders lenken?

Die Lösung kann in unserer Haltung und unseren Werten liegen

Jeder Mensch hat Werte, die ihn in seinem Denken und Handeln und in seinen Entscheidungen lenken. Welche Werte und Haltungen benötige ich, um präventiv für bzw. gegen Konflikt zu wirken? Was kann ich selbst dazu beitragen? Letztlich geht es aus meiner Sicht auf jeden Fall um die Offenheit im Umgang mit schwierigen, kritischen und streitbaren Situationen - und die daraus entstehende Klarheit im Vorgang. Offenheit bedeutet z. B. auch das Teilen von Wissen um Umstände, die dazu geführt haben und das Wissen um die Umstände, die dadurch andere Menschen beeinflussen, beeinträchtigen oder "hineinziehen".

Wenn nun nur einer weiß, wie man eine Situation mit o. a. Hinweisen deeskaliert bzw. sogar verhindert werden könnte und dieses Wissen an die Involvierten weitergibt, ist das ein Gewinn für die potenziell Streitenden. Doch liegt es nun an der Offenheit, am Mut und - auch ein wenig überspitzt gesagt - an der Großzügigkeit desjenigen, anderen Menschen gegenüberzutreten.

Diesen Ansatz möchte ich gerne etwas weiterspinnen ... Was wäre nun, wenn dieses Wissen im nächsten Schritt allen beispielsweise Mitarbeitern dieses Unternehmens, in dem der Konflikt aufgetreten ist, zur Verfügung gestellt und ihnen als neuer Standard gegeben wird? Dann wäre nicht mehr die Person im Vordergrund, die ihr Wissen zur Verfügung gestellt hat, sondern der Weg der Konfliktlösung. Alles würde transparenter, verständlicher, nachvollziehbarer. Wie anders könnten dann Konflikte grundsätzlich verlaufen?

"Open Educational Resources" als Vorbild

Für mich ist das Prinzip des Open Educational Resources - kurz OER - ein wunderbares Vorbild für die Konfliktprävention und -vermeidung. "Open Educational Resources.de" beschreibt seinen Nutzen so: "Das OER sind Bildungsmaterialien jeglicher Art und in jeglichem Medium, die unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden. Eine solche offene Lizenz ermöglicht den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverarbeitung durch andere oder mit geringfügigen Einschränkungen. [...]".

Stellen wir uns einmal vor, diese Transparenz am Arbeitsplatz hätte etwas von OER: Dann würde einmal vorgegeben, wie zum Beispiel das System zu arbeiten hat, wenn ein Konflikt dieser oder jener Art in Erscheinung tritt. Es würde zu einem Standard werden. Zu einem Standard, der zum Zeitpunkt seines Entstehens gut ist und so genutzt werden kann - und gleichzeitig jederzeit weiterentwickelt werden kann, sollte der Bedarf da sein. Vielleicht entstehen auch Themen, die festgelegt und als unveränderbar gelten, was eine gewisse Sicherheit gibt. Es wäre ein "must be" und hätte für alle Gültigkeit. Unter Umständen könnten damit kritische Situationen den Unternehmensregeln gemäß abgewogen werden, statt scheinbar allgemeingültig regelkonform.

Wissen nutzen und weiterentwickeln

OER hat den Charme, dass ich Dinge entwickeln und zur Verfügung stellen kann. Mit dem Ziel, anderen Menschen die Gelegenheit zu geben, diese zu nehmen und - wenn es Sinn macht - zu ergänzen oder zu verändern. Wie sieht es aus, wenn ich die OER-Methode nutze und sage: "Ja, das war der Beginn. Das war zur Zeit seiner Entstehung gut und richtig. Jetzt ist eine andere Zeit bzw. Sicht aktuell. Was machen wir jetzt damit? Eine spannende Diskussion.

Ich lade Sie gerne ein dazu.

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