27.10.2017

Hitzige Situationen deeskalieren

Konflikt-Expertin Ulla Schnee gibt Tipps, wie Wortgefechte nicht unweigerlich zum Konflikt führen

Man ist in einem Gespräch, ein Wort ergibt das andere und plötzlich ist aus einer ursprünglich neutralen Situation eine echte Konfliktsituation geworden. Da ist oft guter Rat teuer. Ulla Schnee, Expertin für Konfliktmanagement, weiß, wie konfliktgeladene Situationen wieder deeskaliert werden können.

„Verbreitet herrscht noch der Glaube, dass es in Konfliktgesprächen immer irgendwie einen Gewinner und einen Verlierer geben muss“, so Ulla Schnee, die gerne mit diesem Irrglauben aufräumen möchte. „Es gibt Wege, um hitzige Diskussionen so enden zu lassen, dass sich jeder gut und verstanden fühlt.“ Das Wichtigste aus ihrer Sicht ist, dass man den Gesprächspartner in seinen Äußerungen erst einmal verstehen muss. Schnee macht das zum Beispiel an einem kürzlich erlebten Gespräch fest, welches sich kurz vor Beginn einer Veranstaltung ereignet hatte.

Ulla Schnee tauschte sich mit einem weiteren Teilnehmer dieser Veranstaltung unter anderem über eine bestimmte Berufsgruppe aus, zu der ihre eigenen Erfahrungen wie auch die ihres Gesprächspartners sowohl sehr positiv als auch sehr negativ waren. Diese Unterhaltung bemerkte eine weitere Teilnehmerin, die sich lautstark darüber brüskierte. „In einer solchen Situation frage ich mich sofort: Was passiert hier und worum geht es?“, hebt Schnee hervor und zeigt auf, wie man diese deeskalieren kann.

„Ich nehme eine solche Einladung zu einer wortgewaltigen Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung an mich selbst nicht an und beobachte stattdessen, was hier passiert“, erklärt die Konflikt-Expertin weiter. So beobachtet sie, wie der Gesprächspartner reagiert und was auch im näheren Umfeld passiert. „Jetzt geht es darum, den gefühlten Angriff auf sich selbst hinten anzustellen. Ob und wie das gelingt, ist sicherlich auch Tagesform abhängig.“

Natürlich kann es vorkommen, dass das Schimpfen weitergeht. Dazu empfiehlt Ulla Schnee, denjenigen, der gerade ‚austeilt‘, auch gerne zu unterbrechen und sich danach zu erkundigen, was ihn oder sie denn gerade so aufbrausend sein lässt. In dem genannten Fall war es so, dass der Mann der empörten Teilnehmerin zu dieser Berufsgruppe gehörte und sie es einfach nicht mehr ertragen konnte. Sie bezog die Erfahrungen von Schnee und ihrem Gesprächspartner damit direkt auf ihren Ehemann als Person. Somit wurde ihre Empörung für alle sehr gut nachvollziehbar.

„Primär ist es wichtig, den anderen in seinem Zorn zu verstehen, um beginnende Konflikte im Keim zu ersticken. In diesem Fall war es das bildliche Ablehnen der Einladung auf einen verbal gewaltigen Schlagabtausch und das Erkennen der Problematik dahinter. Manchmal bedarf es wenig zur Deeskalation“, schließt Konflikt-Expertin Ulla Schnee.

 

 

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