23.11.2016

Gehört Mediation zu den wichtigen Führungskompetenzen?

Mediation ist im Konfliktmanagementsystem eine Führungskompetenz“ ... diesen Satz habe ich neulich auf einem Mediationskongress während einer Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen aus Wirtschaft, Ministerium und Kirche gehört und dachte mir gleich: Das hört sich so normal an. Wie normal ist das eigentlich?

Was heißt in dem Fall Mediation als Führungskompetenz? Führungskräfte werden im Rahmen von Führungstrainings auch als Mediatoren geschult? Warum eigentlich nicht. Ich habe oft den Eindruck, dass mit einer etwas stärker ausgeprägten Kompetenz im Umgang mit schwierigen Situationen manch ein Konflikt im Unternehmen verhindert werden könnte. Grundsätzlich käme das meiner Haltung also entgegen.

Allerdings ist der Umgang mit schwierigen Situationen etwas anderes, als in einem Konflikt allparteilich und ergebnisoffen zu vermitteln. Wie kann eine Führungskraft, d. h. eine Person der die Arbeitgeberseite vertritt, das können? Entsteht hier eine widersprüchliche Situation und bzw. oder ist damit die Ergebnisoffenheit und Allparteilichkeit garantiert?

In einem Interview während des Kongresses sprach Prof. Joseph Folger über Forschungen in den USA zum Thema Mediation und was u. a. wichtig für das Gelingen einer Mediation ist, bzw. was häufig von vorneherein zum Scheitern führt. Er berichtete, dass das Verfahren der Mediation daran scheitert, wenn man sich als Mediator* im Konflikt bzw. mit Konflikten unwohl fühlt. Ein Mediator muss in der Lage sein, Streit in allen verbalen Varianten auszuhalten. Und nicht nur das: Es ist vor allem wichtig, emotional unbeeinträchtigt zu sein. Das ist mehr als „nur“ auszuhalten.
Laut Prof. Folger ist das eine Fähigkeit, die auf jeden Fall notwendig zu sein scheint und die allein durch die Absolvierung einer Mediationsausbildung nicht entsteht. Es bedarf auch der Persönlichkeit, sich diesen Situationen zu stellen und die Fähigkeit, aus den streitgeballten Situationen die Parteien hin zu gemeinsam erarbeiteten Vereinbarungen bzw. Lösungen vermittelnd zu begleiten.

Komme ich zurück auf den oben genannten Satz bedeutet es für mich: Kenntnisse und Kompetenzen aus der Konfliktvermittlung für Führungskräfte und deren Mitarbeiter sind sicher sinnvoll, hilfreich und nützlich. Eingebunden in ein bestehendes Konfliktmanagement-system im Unternehmen noch mehr. Denn das würde bedeuten, dass sich Führungskräfte den schwierigen Themen und den Konflikten stellen, bzw. diese an die zuständigen Personen/Stellen im Unternehmen weiterleiten. Das heißt auch, dass ein Konflikt, dem sich die vorhandenen Ansprechpartner im Unternehmen nicht annehmen können, durch externe Mediatoren bearbeitet wird. So wird dem Konflikt und den Beteiligten konstruktiv begegnet und nichts unter den Teppich gekehrt.

Das bedeutet jedoch auch, dass eine Führungskraft sich nicht grundsätzlich mit und im Konflikt komfortabel fühlen muss, sondern im Wesentlichen willens und in der Lage ist, konfliktbehaftete Situationen zu erkennen und sich deren annimmt, indem sie kompetente Ansprechpartner zu Hilfe holt.

Aus meiner Sicht lädt die o. g. Haltung zum Denken und Diskutieren über mediative Kompetenzen auf Managementebenen ein. Was denken Sie?

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