21.05.2019

Brauchen wir bald keine Führungskräfte mehr?

Ulla Schnee über selbstbestimmte Teams und was das für die Arbeitswelt bedeutet

Düsseldorf. Hierarchien werden flacher, Mitarbeiter sollen eigenverantwortlich arbeiten, Teams selbstgesteuert agieren. Die Arbeitswelt verändert sich. Braucht es nun bald keine Führungskräfte mehr? Konflikt-Expertin Ulla Schnee zeigt auf, was sich in Sachen Führung langsam aber sicher verändern wird.

„Es ist der ganz normalen Entwicklung unserer Welt zu verdanken, dass sich die Arbeit und das Führen von Mitarbeitenden verändern“, erklärt die Expertin für Konfliktmanagement Ulla Schnee die immer wieder auftauchenden Begriffe wie Agilität, New Work oder Arbeiten 4.0. Der Grund: Projekte müssen schneller und effektiver zum Ziel geführt werden, während sich die Anforderungen und Rahmenbedingungen ebenso stetig verändern.

Unternehmen setzen dafür zunehmend auf agile Teams, die je nach Projekt individuell zusammengestellt werden. „Da kann es vorkommen, dass ein Mitarbeiter die Leitung eines Projekts innehat und eine ihm höher gestellte Person ‚nur‘ Mitarbeitender im Team ist. Solange sich die disziplinarische Ebene nicht verschiebt, funktioniert es meistens. Manchmal auch nicht“, weiß die Konfliktexpertin. Und wer leitet ein Team, das multiprofessionell besetzt ist?

In agilen Teams gibt es keinen Vorgesetzten. Sie arbeiten selbstverantwortlich und selbstgesteuert. Einen Vorgesetzten im klassischen Sinne gibt es also nicht. Den einen mag das motivieren, beim anderen bisher ungeahnte Energien freisetzen. Themenbezogene Projektarbeit gibt es nach Ansicht von Ulla Schnee schon seit mehreren Jahren, doch ist die Wahrscheinlichkeit heutzutage größer, dass höher gestellte Führungskräfte sich einem Projektleiter unterordnen müssen. Bis sich die Menschen daran gewöhnt haben, wird es hier sicherlich genug Potenzial für Konflikte geben.

„Das Thema Macht auf Basis von Wissen verändert sich. Menschen müssen lernen, dass sich auch Mitarbeiterführung erheblich verändern wird“, hebt Schnee hervor. Doch wird es immer jemanden brauchen, der die Führung übernimmt – selbst in einem agilen Team. „Noch sind wir nicht so weit entwickelt, damit ohne Konflikte umgehen zu können.“

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